Über Geld spricht man nicht ... oder besser doch?
- Cindy Seidler

- 17. Feb. 2021
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Feb. 2021
Von Mäusen und Moneten
Im besten Falle haben Kinder alles, was sie brauchen. Sie stecken das Geburtstagsgeld von der Omi immer brav ins Sparschwein. Ihre Grundbedürfnisse sind erfüllt und mit wenig Gezeter geht es am Süßigkeitenregal an der Supermarktkasse vorbei.
So weit so gut. Spätestens aber wenn der Papa der Freundin ein neues fettes Auto kauft und damit geprahlt wird, wie cool das sei oder wenn bei Instagram dieses oder jenes schicke Teil präsentiert wird... oder wenn die perfekt auf Kinder ausgerichtete Werbung mal wieder voll ins Schwarze trifft und Bedürfnisse weckt, die vorher nie da waren ... dann muss irgendwann das Thema Geld auf den Tisch.
Aber sind wir Erwachsenden in Bezug auf Geld wirklich immer die besten Lehrer? Oder Vorbilder? Oder widersprechen wir uns nicht ständig selbst? Schauen wir mal genauer hin:
Wie ambivalent das Verhältnis der Menschen zum Thema Geld ist, zeigen schon die altbekannten Sprichwörter und Redewendungen:
Über Geld spricht man nicht!
Beim Geld hört die Freundschaft auf.
Geld verdirbt den Charakter!
Geld allein macht nicht glücklich.
Geld regiert die Welt.
Äh... okay ... also einerseits darf man nicht über Geld reden, es macht verdammt einsam, dann versaut es einem auch noch den Charakter. Keine guten Aussichten! Aber die Welt regiert es dann schon. Hmmm.... so ganz egal sollte es einem dann doch nicht sein... ein Dilemma, wie es scheint. Was soll man Kindern denn nun über Geld beibringen und vor allem: WIE?
Selbst Erwachsene tun sich ja oft schwer, sich mit der Realität in ihrem Geldbeutel auseinanderzusetzen und ihre Moneten zu ordnen. Wenn es dann noch um das sinnvolle Investieren geht, wird es noch komplexer.

Das Dilemma: Geld ist schön und teuflisch zugleich!
Die bunte und schillernde Welt des Internets bringt nicht nur Teenager, sondern sogar Erwachsene dazu, ihren Instagram - Idolen nachzueifern. Viele verschulden sich, um teure Luxusmarken zu kaufen. Und selbst diejenigen, die die die Maschen der Werbeindustrie längst durchschaut haben, sind vor reinen Lust- oder Frustkäufen nicht gefeit. Wie sollen Kinder dann die vielen Aspekte auseinanderhalten, die Geld hat? So viele positive Seiten. Und so viele negative....
Das Thema Geld berührt immer persönlich. Es kann auf der einen Seite echte Begeisterung auslösen - Wer hat als Kind nicht schon mal davon geträumt, später in einem Märchenschloss mit Pool zu wohnen? Und wie toll das war, wenn man sich vom Ersparten die ersten Süßigkeiten kaufen konnte. Auf der anderen Seite zählt das Geld uns im wahrsten Sinne des Wortes vor, wo wir finanziell eigentlich stehen. Was wir uns eben nicht leisten können.
Kinder trifft es oft besonders tief, wenn das neue Haustier nur deshalb nicht angeschafft werden kann, weil der Tierarzt zu teuer ist. Oder 30 Euro im Monat für Futter das Budget übersteigen. Weil Kinder (und Erwachsende) noch nicht gelernt haben, was der Unterschied zwischen brauchen und wollen ist, sind sie oft bitter enttäuscht, wenn ihr Herzenswunsch mal nicht in Erfüllung geht. Da hilft auch kein erhobener Zeigefinger und schlaue Bücher, das tut oft erst mal weh.
Klug wäre es, Kindern die Zusammenhänge zwischen arbeiten gehen, Steuern zahlen, Geld sparen und Geld ausgeben relativ früh beizubringen. Schulbücher beschränken sich bei diesem Thema jedoch oft auf das reine Zählen und Rechnen, auf trockenes Auswendiglernen von Daten und Fakten zur Funktion der Wirtschaft. Kaum ein Kind lernt in der Schule, wozu man ein Konto eigentlich braucht, wie Versicherungen funktionieren oder ganz zu schweigen davon, wie man so sparen kann, dass aus dem Geld mehr statt weniger wird.
Und natürlich ist es für die Lehrkräfte schwierig, wenn man eine Klasse vor sich sitzen hat, bei dem das eine Kind zum Geburtstag ein Pferd geschenkt bekommen hat, bei dem anderen hat der Papa gerade die Arbeit verloren und bei noch einem Kind stellt schon der Kauf neuer Schulsachen die Eltern eine Belastung dar. Man möchte die Kinder mit dem Thema einerseits nicht überfordern, man möchte aber auch niemanden ausgrenzen und erst recht nicht bloßstellen 😧.
Wie kann also ein Einstieg in das Thema gelingen? Wie kann man Kindern erklären, woher das Geld kommt, warum wir es brauchen und was passiert, wenn man nicht damit klar kommt?
Mein Buchtipp
Das Buch "Mein Geld, dein Geld - von Mäusen, Kröten und Moneten" aus dem Beltz & Gelberg Verlag hat mich direkt begeistert.
Ganz sachlich werden komplexe Zusammenhänge leicht verständlich gemacht und so erklärt, dass sogar der ein oder andere Erwachsene noch das dabei lernen kann.
Das Buch kann von vorn nach hinten, aber auch kreuz und quer lesen, denn jedes Kapitel ist in sich abgeschlossen. Einige Teile davon eignen sich deshalb auch gut für den Einsatz im Sachunterricht in der Grundschule (Klassen 3 - 4). Auch in Ethik wird das Thema Taschengeld, "Arm und Reich" besprochen - Teile des Buches kann man an dieser Stelle gut für die Unterrichtsvorbereitung verwenden.
Hier ein grober Überblick über die behandelten Teilaspekte:
- Woher kommt das Geld?
- Was sind Währungen?
- Wann ist jemand reich oder arm?
- Wie funktioniert Handel?
- Was sind Versicherungen?
- Was sind Steuern?
- Was ist ein Kredit?
- Was sind Schulden?
- Wie kann ich sparen und Geld mehren?
- Was kann ich mit Geld für mich und andere tun?
.....und viele weitere wichtige Fragen...
Was ich an dem Buch besonders mag:
Wer in diesem Buch eine "Moral der Geschicht´" sucht, wird sie hier übrigens kaum finden. Weder wird hier Wohlstand verteufelt, noch wird Geld als etwas dargestellt, das alle Probleme lösen kann. Es soll Kinder nicht dazu bringen, gierig zu werden. Es soll sie aber auch nicht dazu verleiten, Geld zu verteufeln und die Schule zu schmeißen, um schnell mit dem VW - Bus durch die Welt zu fahren und sich nur noch von Grünkohl zu ernähren.
Verstehst du, was ich damit meine... vielleicht hab ich mich etwas komisch ausgedrückt ... na ja ... es werden jedenfalls keine extremen Glaubenssätze vermittelt, die im Zusammenhang mit Geld oft in den sozialen Medien und den Elternhäusern vorgelebt werden. Der Ton des Buches ist durchgängig sachlich und macht es gerade deshalb zu einem wertvollen Bestandteil einer jeden Kinderbibliothek.
Die wichtigsten Infos zum Buch im Überblick
Verlag: Beltz & Gelberg Verlag
ISBN: 9783407755896
Umfang: 91 Seiten
Hinweis: Das Buch hab ich mir selbst gekauft, aber diese Werbung kommt von Herzen. Ich bekomme für diesen Buchtipp kein Geld. Wenn du auf meine Links in diesem Blogbeitrag klickst, landest du bei amazon. Und wenn du dann dort einkaufst, bekomme ich eine anteilige Provision. Dir entstehen keine Mehrkosten und du musst natürlich nix kaufen.
Welche Bücher kannst du zum Thema Finanzwissen für Kinder empfehlen? Ich bin gespannt!

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