Worksheetcrafter und Copyright - Ich bin raus! Und du?

Aktualisiert: Juli 8


Stehst Du schon mit einem Bein im Knast oder ist noch alles in Ordnung bei Dir?


Der Worksheetcrafter oder warum mich die Copyright - Bedingungen abschrecken.


Dass Du Unterrichtsmaterialien von Schulbuchverlagen nicht einfach wild kopieren darfst, das weißt Du natürlich. Aber wie sieht es aus mit Arbeitsblättern, die Du selbst erstellt hast? So viel Mühe hast Du Dir gemacht und nun soll da irgend ein Problem mit dem Urheberrecht sein?


Warum ich die Seite worksheetcrafter.com nicht uneingeschränkt empfehlen kann und was Du bei der Erstellung Deiner Materialien mit dem Tool beachten solltest, das erfährst Du in diesem Beitrag.


Ein kleiner Tipp schon mal vorweg: Wenn Du Tipps zum Thema Urheberrecht und Unterrichtsmaterial brauchst, kann ich Dir die Seite klicksafe.de sehr empfehlen. Hier findest Du auch kostenlose Arbeitsblätter für Deine SchülerInnen, in denen sie sich mit wichtigen Themen wie File Sharing, Streaming und Zitatrecht auseinandersetzen.


Aber zurück zum eigentlichen Thema: Was musst Du bei der Erstellung und Verbreitung Deiner Unterrichtsmaterialien mit dem worksheetcrafter.com beachten und welche Fallstricke lauern auf Dich?



Was ist überhaupt der Worksheetcrafter?


Die deutsche Seite worksheetcrafter.com ist ein Online - Tool, mit dem Du Arbeitsblätter für den Unterricht recht leicht erstellen kannst, denn es bietet Dir viele nützliche Vorlagen, Editorfunktionen und eine große Clipart - Bibliothek, anhand der Du relativ schnell eigene Ideen aufs Blatt bringen kannst.


Wenn Du wissen willst, wie Materialien, die mit dem Tool erstellt worden sind, aussehen, dann findest Du bei Instagram unter dem Hashtag #worksheetcrafter einige gute Anregungen anderer Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Materialien dort im Einsatz zeigen. Oft findest Du diese Materialien dann auch kostenlos zum Download in der Tauschbörse der Seite. Ich muss sagen, da sind viele kreative Ideen dabei. Man kann auf diese Materialien aber nur zugreifen, wenn man selbst ein Jahresabonnement des Worksheetcrafters hat. Ein kleiner Trost: einige Arbeitsblätter kannst Du hier kostenlos herunterladen!



Was muss ich beachten, wenn ich Materialien von Worksheetcrafter teilen möchte?


Zur groben Orientierung musst Du erst einmal wissen, ob Du Deine Materialien kommerziell oder nicht kommerziell verwenden möchtest. Auf welche Art und Weise möchtest Du denn die mit dem Tool erstellten Arbeitsblätter überhaupt nutzen? Sollen sie bei Dir bleiben oder möchtest Du sie an KollegInnen weitergeben?


Leider ist diese Unterscheidung nicht immer leicht zu treffen! Die Übergänge von privatem Spaß zu ernsthaftem Nebeneinkommen (mit allen Rechten und Pflichten) sind nämlich fließend. Und darin liegt meiner Ansicht schon nach das Hauptproblem von Worksheetcrafter.


Aber schön der Reihe nach. Der erste Blick fällt auf die Homepage und dort sind die Lizenz- und Nutzungsbedingungen hinterlegt. Beim genauen Betrachten fällt mir aber auf, dass gerade für diejenigen, die noch nicht wissen, ob sie jemals einen kommerziellen Blog oder Shop betreiben wollen, Probleme auftauchen könnten.


Wichtig wäre es also, folgende Fragen zu klären:


1. Du nutzt Deine Materialien nur im eigenen Unterricht und hast nicht vor, sie im Internet oder im Kollegium anzubieten (egal ob kostenpflichtig oder kostenlos)


Hier hast Du bei worksheetcrafter die wenigsten Auflagen und kannst sogar ohne Quellenangabe die Vorlagen wie Aufgabenfelder oder Cliparts verwenden. Selbst das Bereitstellen der Dateien auf dem Schulserver, das Versenden an Deine Schülerinnen und Schüler oder die Weitergabe an Kolleginnen und Kollegen ist problemlos möglich. Sehr praktisch in Zeiten von Corona und Homeschooling!


Leider wird es hier aber schon kompliziert: Wenn Du beispielsweise neben den von Worksheetcrafter bereitgestellten Bildern auch noch Cliparts von TeachersPayTeachers nutzt, so gibt es dort einige Illustratoren, die verschiedene Lizenzen anbieten. Manche Autoren möchten nicht, dass ihre Cliparts kommerziell genutzt werden.


Auch manche Autoren bei Lehrermarktplatz stellen bestimmte Cliparts nur für die Nutzung im eigenen Unterricht zur Verfügung und untersagen eindeutig die Weitergabe im Kollegium. Zwickmühle erkannt? Du hast ein tolles Material erstellt und nur ein oder zwei Bilder stammen von Seiten außerhalb von Worksheetcrafter. Schon bist Du in der Bredouille!



2. Du hast einen Lehrerblog und möchtest deine Materialien dort kostenlos zum Download anbieten


Hier sagt der Betreiber der Seite worksheetcrafter.com ganz deutlich: Nicht - kommerziell KEIN PROBLEM! Sobald Geld im Spiel ist ..., also kommerziell, ... - NEIN!



Nicht - kommerzieller Blog:

  • Der Zugang zu Deiner Seite bzw. Deinem Mitgliederbereich muss kostenlos sein

  • ALLE Materialien auf der Seite müssen kostenlos sein. Also nicht nur die, die Du mit dem Worksheetcrafter erstellt hast.

  • Zudem musst Du einen Quellenhinweis einpflegen, der lautet: „Erstellt mit dem Worksheet Crafter – www.worksheetcrafter.com“.

Seit einiger Zeit bietet der Worksheetcrafter auch einen Printservice für Arbeitshefte an - den "Workbook Wizard", indem Du Dir gedruckte Arbeitshefte nach Hause schicken lassen kannst. Diese kannst Du zum Selbstkostenpreis verkaufen, also kein Honorar für Deine Arbeit drauf schlagen.


Kommerzieller Blog

Was ist eigentlich ein "nicht - kommerzieller Blog"? Hier wird es so richtig kompliziert.


Einen Lehrerblog zu schreiben fängt ja bei vielen erst mal als Hobby an und endet dann irgendwann (manchmal erst nach Jahren) als kleines Nebeneinkommen. Die allermeisten Blogs, die ich kenne, haben irgendwann mal klein gestartet und bieten mittlerweile viel mehr als Einblicke in ihren Unterricht und Tipps für den Schulalltag. Man kann dort kostenlose Materialien herunterladen, bekommt aber auch Buchempfehlungen - und dahinter verbirgt sich dann oft ein Link, bei dem der Autor des Blogs anteilig Prozente in Abhängigkeit des Warenwertes bekommt. Schon ist das nicht mehr nicht - kommerziell!


Und da beginnen die Probleme ... ein kleiner Ref - Link hier, ein Affiliate - Link da ... das ein oder andere Gewinnspiel in Zusammenarbeit mit einem Verlag oder mal ein kleines gesponsertes Banner, das zu einer anderen Homepage führt ... schon kann man nicht mehr von einer rein privat betriebenen Seite ausgehen. Schon hat man eine klare Gewinnerzielungsabsicht.

Auch wenn es nur ein paar Cents nebenbei sind, die da im Monat zusammenkommen oder man mal ein Dankeschön eines Verlages in Form einer Leseprobe abstauben kann ... die Richtung ist klar und man sollte spätestens an der Stelle aufhören, Worksheetcrafter - Arbeitsblätter auf die Seite zu laden.


"... Aber ich benutze ja den Blog nur als zusätzlichen Weg, damit ich Follower bei Instagram bekomme ... " ... Ja klar! Und wenn's richtig gut läuft? Wenn Du die ersten 10.000 Follower bei Instagram geknackt hast und die ersten Werbeaufträge ins Haus flattern? Spätestens dann ist Dein Blog nur noch Mittel zum Zweck und keine eigenständige, kostenfreie Plattform mehr.


Ich jedenfalls bin schon eine ganze Weile lang selbstständig und kann deshalb nur jedem empfehlen: sei Dir im VORHER genau darüber im Klaren, was Du mit Deinem Blog erreichen möchtest. Wenn das Schreiben und Teilen von Unterrichtsmaterialien ein Hobby ist und bleiben soll, bist Du auf der sicheren Seite.


Erst wenn aus einem Freizeitvergnügen ERNST wird, also wenn Du Einnahmen hast, wird es schwierig: spätestens dann musst Du Deine mit viel Liebe erstellten Materialien löschen.


Selbst wenn worksheetcrafter.com Dir niemals eine Abmahnung schicken sollte oder auf Unterlassung besteht, könntest Du Probleme bekommen mit:


  • der Wettbewerbszentrale

  • Mitbewerbern, die Dir direkt ans Leder wollen

  • der Lehrer - Community im Netz ... nämlich mit denen, die ihre Jahresgebühr bezahlt haben und sich auch irgendwann darüber ärgern, dass sie ihre Materialien nicht verkaufen oder anderweitig kommerziell nutzen dürfen.


Also kurz und knapp: die Übergänge zwischen nicht-kommerziell und kommerziell sind fließend und wenn Du ganz sicher gehen möchtest und das Tool unbedingt verwenden möchtest, dann solltest Du lieber mal direkt beim Support anfragen. Ich bin mir sicher, dass sie Dir eine verbindliche Auskunft darüber geben können, inwieweit Dein Online - Auftritt mit ihren TOU (Terms of Use) in Einklang steht.



3. Du hast keine Lust, Deine Arbeit zu verschenken und möchtest Deine Unterrichtsmaterialien verkaufen


Ganz klar: weder auf einer selbst erstellten Lern-App, noch in öffentlich sichtbaren Lernvideos, die man beispielsweise für YouTube produziert, noch in Shops, bei Self-Publishing- Verlagen noch sonst wo darf man die mit dem Worksheetcrafter erstellten Unterrichtsmaterialien anbieten. Und spätestens da muss ich sagen: NÖ! Nicht mit mir!


Bei einem Nutzungspreis von 49,90 € für die Basisversion und 149,90 € für die "Unlimited Edition" pro Jahr erschließt sich mir nicht, wozu man dieses Tool nutzen sollte. Um sich dann ständig in einer Grauzone zu bewegen, wenn man seine Materialien auch anderen KollegInnen zur Verfügung stellen möchte? Selbst wenn man zu Beginn nicht das Ziel verfolgt, ein Nebeneinkommen zu generieren, sondern gern einfach auf Social Media Plattformen und seinem Lehrerblog über den eigenen Unterricht schreibt und dann die Materialien teilt .... selbst wenn .... wo beginnt dann der Moment, wo man seine schönen Sachen wieder alle löschen darf und wo die stundenlange Arbeit einfach für die Katz gewesen ist?




Copyright und Worksheetcrafter - eine schwierige Geschichte!

Ist Worksheetcrafter jetzt totaler Quatsch oder wie?


Wie bei allen kostenpflichtigen Online - Tools, mit denen man Unterrichtsmaterialien erstellen kann (das sind im deutschsprachigen Raum gar nicht so viele ... gerne stelle ich Euch weitere Tools vor) ... hat auch der Worksheetcrafter seine Vor- und Nachteile.


1. Große Community - viel Austausch


Ein offensichtlicher Vorteil ist auf jeden Fall die riesige Community, die sich beispielsweise bei Instagram darüber austauscht und auch Materialien miteinander teilt. Ein Problem, das ich hier sehe: niemand prüft die hochgeladenen Materialien auf Qualität! Da niemand der LehrerInnen, die ihre Materialien in der Tauschbörse hochladen, damit Geld verdient, ist natürlich auch der nachhaltige Support kaum gegeben.


2. Was nix kostet ... ist das dann immer was wert?


Nun ja - ohne Frage: viele hunderte Materialien werden täglich in die Tauschbörse von Worksheetcrafter hochgeladen oder finden sich auf Blogs wieder. Und sicherlich sind da einige Sachen dabe, die anderen wirklich helfen, ihren Unterricht toll zu gestalten!


Hier stellt sich mir aber die Frage:


  • Wenn man nix dafür bezahlt, kann man dann als Nutzer überhaupt verlangen, dass beispielsweise Rechtschreibfehler ausgebessert werden?

  • Oder kann man erwarten, dass die Arbeitsblätter methodisch - inhaltlich einen Sinn ergeben? Ich sehe da im Vergleich einen ganz klaren Vorteil von professionellen Unterrichtsmaterialien - Shops: Wer für seine gute Arbeit Geld nimmt, der wird auch in Zukunft für mich da sein und bei Problemen ausbessern. Zumindest ist das meine Erfahrung. Wenn ich beispielsweise bei KollegInnen von Lehrermarktplatz oder TeachersPayTeachers etwas kaufe und das Material enthält Fehler, dann kommt nach einer kurzen Mail oft prompt die Korrektur!


3. Für Anfänger - ja vielleicht.


Gerade auch für Anfänger, die Arbeitsblätter schnell und einfach zaubern wollen, ist das Programm sicher zu empfehlen. Natürlich möchte ich niemandem das Tool grundsätzlich ausreden! Wer sich nicht sicher ist, ob die Seite alle Features bietet, die man für die eigenen Arbeitsblätter braucht, der kann die 14 tägige kostenlose Probeversion nutzen. Man kann dann in Ruhe ausprobieren, welche Features man mag und ob man mit dem Programm gut zurecht kommt.


4. Nix für Wankelmütige


Woher weiß ich, ob ich in Zukunft nicht doch mal einen eigenen Shop haben möchte?

Das ist eine ganz persönliche Entscheidung und nicht selten habe ich KollegInnen erlebt, die jahrelang alles kostenlos abgegeben haben. Andere behalten ihre Schätze im stillen Kämmerlein und tauschen sich nie aus. Auch okay!


Natürlich muss man auch sonst bei Cliparts, Bildern und Fonts das Urheberrecht beachten. Hat man sich aber erstmal mit dem eigenen Computer und dem Copyright auseinandergesetzt und weiß, welche Materialien man ohne Bedenken im Internet verbreiten kann, dann sehe ich keinen Grund, warum man für seine tolle Arbeit nicht belohnt werden soll. Ich denke, dass ein guter Mix aus kostenpflichtigen und kostenlosen Unterrichtsmaterialien gut ist, denn das trägt dazu bei, dass sich Autoren mit ihrer Arbeit wirklich Mühe geben und nachhaltig daran interessiert sind, hochwertige Materialien einzustellen.


Man muss dazu nicht mal unbedingt bei Shops wie TeacherPayTeachers oder Lehrermarktplatz aktiv sein, sondern auch das konstante Schreiben eines Blogs oder ein ansprechendes Instagram - Profil können dafür sorgen, dass man seine Materialien bekannt machen kann. Da muss jeder seinen eigenen Weg finden.



Mein Fazit lautet jedenfalls:


Wenn man schon so viel Geld für ein Tool bezahlt, dann möchte man doch Bitteschön auch die vollen Nutzungsrechte an den damit erstellten Arbeitsblättern haben. Man weiß ja nie, was die Zukunft bringt. Gerade in Corona - Zeiten habe ich viele LehrerInnen im Instalehrerzimmer gesehen, die ihren Account plötzlich von einer reinen Blogger - Seite zu einem tollen Autorenprofil geändert haben. Und ich kann nur sagen: TOLL!


Tipps zum Weiterlesen:


1. Wer wissen möchte, wie man Unterrichtsmaterialien mit Power Point erstellt, der findet im Tutorial von Freulein Hygge eine tolle Inspiration! Viele kennen sie von Instagram - aber wusstet Ihr, dass sie auch super Anleitungen für Euch erstellt?


2. Eine ganz herzige Lehrerin aus der Schweiz - Corina alias Nekoneko - zeigt in Ihrem Forumsbeitrag, wie man PDFs einfach in digital ausführbare Dateien umwandeln kann. Schau rein und hinterlasse ihr ein Like!


In Zukunft werdet Ihr auf meiner Homepage noch mehr Tutorials und Tipps finden ... bleibt gespannt!


Ich bin gespannt auf Eure Kommentare und verbleibe mit herzigen Grüßen,


Eure Cindy


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