Über die Liebe sprechen ... ohne dass es peinlich wird!

Aktualisiert: 14. Juni 2019


Eines der schönsten Themen wird im Unterricht viel zu wenig angesprochen, weil es potenziell für rote Gesichter und schweigende Schüler sorgt: die Liebe. 

Dabei geht uns LehrerInnen gerade im Fremdsprachenunterricht eine große Chance verloren! Warum?


Wirklich jeder von uns hat doch schon mal positive oder negative Erfahrungen mit der Liebe gemacht und könnte so viel darüber erzählen!


Der erste Schwarm, das erste Idol, die Schnulzen in den Daily Soaps oder das Kribbeln im Bauch, wenn man so richtig verknallt ist! Allein, wenn man sich die Themen in Kunst und Kultur anschaut ... kaum ein Song wo nicht von Hoffnung und Sehnsucht, von Liebesleid und Höhenflügen gesungen wird!


Wie toll wäre es, diese persönlichen Erfahrungen unserer Lerner und die damit verbundenen Emotionen im Unterricht einfließen zu lassen! Und doch scheuen sich Lehrer oft vor potenziell heiklen Themen. Niemand soll verletzt werden, niemand soll peinlich berührt werden. Kulturelle Unterschiede kommen hinzu und machen die Sache nicht leichter. Denn während hierzulande vielleicht eher munter über Hoffnungen, Träume und Wünsche geplappert wird, schläft einem Lerner aus einem anderen kulturellen Hintergrund unter Umständen direkt das Gesicht ein, wenn er das Thema der Stunde nur hört.


Wie also kann man Lerner dazu bringen, sich auch in einer Unterrichtseinheit zur Liebe frei zu äußern ohne ihr oder ihm zu nahe zu treten?


Bevor ich darauf eingehe, wie ich Emotion und Zweitspracherwerb miteinander verbinde und welche Tipps ich Dir für Deinen Unterricht geben kann, steht erst mal die Frage im Raum: Wozu das Ganze? Wozu die Mühe machen und ausgefeilte Stundenentwürfe erstellen, die meine Lerner zum Sprechen über solch ein sensibles Thema bewegen sollen?


Warum ist die Kopplung von Emotionen an den Spracherwerb so wichtig?


Die Neurowissenschaft hat längst ausgiebig wissenschaftlich untersucht, dass die Verbindung von Emotionen und Spracherwerb positive Effekte hervorbringt. Wen wir sympathisch finden, dem hören wir lieber zu, von dem lernen wir lieber. Wir haben ein offenes Ohr und sind bereit, Kritik anzunehmen.


Im Gegenzug können negative Emotionen unsere Bereitschaft zum Lernen auch hemmen: Ein einfaches Beispiel: wer seine Grundschullehrerin in Mathe nicht ausstehen kann, der hat es ganz sicher schwerer, sich auf das Lernen zu konzentrieren. Im Unterricht meldet man sich weniger und die Hausaufgaben - na die hat dann wohl der Hund gefressen.


Doch dieses Phänomen ist Lehrern nicht unbekannt! Im Studium und Referendariat lernen wir viel über das Schaffen einer angenehmen Lernatmosphäre, über Gruppendynamik, über den Aufbau eines vertrauensvollen Verhältnisses zum Schüler. Ich will nicht behaupten, dass es immer leicht ist, über Teddys und Klassenmaskottchen eine Beziehung zu den Kleinen aufzubauen, aber sobald die Grundschulphase abgeschlossen ist, scheint der persönliche Zugang zum Schüler immer weniger Beachtung zu finden.


Peng! Stopp! Aus! Persönliche Note beiseite! Emotionen auf Null! Pauken statt fühlen!


Klar. Es kommen bei den Teenagern andere Themen auf den Tisch. Und das sind dann oft die Themen, bei denen sie die Erwachsenenwelt lieber außen vor lassen. Mit dem Übergang vom Kind zum Teenager ergeben sich ganz neue Herausforderungen für Lehrer - und insbesondere Fremdsprachenlehrer, die den Anspruch haben, das Sprechen, das Sprechen und nochmal das Sprechen zu fördern:


Wie soll man dann als Lehrkraft noch Emotionen in den Unterricht einbringen?


Wie soll man die Lerner noch an ihren persönlichen Interessen greifen ohne ihnen das Gefühl zu geben, sie auszuhorchen oder ihnen zu nahe zu treten?


Warum findet das Thema also im Unterricht so wenig Beachtung?


Wer Sprache unterrichten will, muss sprachliche Mittel nicht nur lehren, sondern ausprobieren lassen. Aber mit dem Thema Liebe? Jeder weiß ja, dass die Liebe nicht im positiven Sinne das Herz berühren kann, sondern leider manchmal ganz schön an die Nieren geht.


Kein Lehrer will das erleben: Teenager werden rot vor Scham, kichern hinter hervorgehaltener Hand oder würden sich am liebsten unterm Tisch verstecken!


"Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt."

Ich bin der festen Überzeugung, dass man alles, und zwar alles vermitteln kann, wenn man die persönlichen Interessen, die Erwartungen und die Lebensrealität der Lerner einbezieht. Denn worum geht es letztlich? Wir wollen sie dazu befähigen, die Sprache anzuwenden. Und das geschieht nun mal am ehesten im "echten Leben": beim Flirten, beim Schwärmen, beim Träumen, beim gemeinsamen Pläne schmieden ... all diese Facetten der Liebe können wir im Unterricht nutzen, um Sprache erlebbar und praxisrelevant zu vermitteln.


Wenn wir es als Lehrer geschafft haben, unseren Schülern den Unterschied zwischen Simple Past und Past Progressive einzutrichtern, dann ist das toll. Aber noch besser ist es, wenn wir ihnen die sprachlichen Mittel schenken, die sie wirklich brauchen: sei es für einen kleinen Flirt, ein herzliches Lachen über einen Witz oder auch die energische Abfuhr, wenn sie nicht angequatscht werden wollen.

Die Lösung ist einfach und wie im echten Leben: HUMOR und ABLENKUNG!

Stellt Euch einmal vor, Ihr müsst für diese Personen eine Anzeige für ein Datingportal schreiben. Gar nicht so einfach, oder? Aber es macht unheimlich Spaß und ist witzig, denn es sind schon ein paar lustige Typen dabei ...

Über andere sprechen meine und wahrscheinlich auch Eure Schüler lieber als über sich selbst. Und das ist auch in Ordnung so! Gibt man ihnen einen derart geschützten Raum, werden sie früher oder später sowieso das Bedürfnis entwickeln, mehr über sich preiszugeben. Es ist in erster Linie aber wichtig, dass die Lerner sprechen, dass sie die Sprache aktiv benutzen und bei der Sache sind. Ob sie dabei über eigene Angelegenheiten diskutieren oder das Rollenspiel zum Ausprobieren nutzen, ist absolut EGAL!

Um meine Lerner ihr Gesicht wahren zu lassen ist ein Grundprinzip meines Unterrichts immer:


"Ihr dürft lügen, dass sich die Balken biegen!"


Ihr dürft spinnen, Ihr dürft flunkern. Hauptsache, Ihr macht mit!


💖 NUR DIE LIEBE ZÄHLT 💖


Dieser Unterrichtsentwurf kombiniert nun gleich zwei großartige Dinge sinnvoll miteinander: Wortschatz erarbeiten und der Fantasie freien Lauf lassen, um die Sprache mit Freude anwenden zu können.


Die Einheit eignet sich prima für den DAF / DAZ - Unterricht, aber auch wunderbar für die Fächer Sachkunde, Sexualkunde oder Ethik.


Die Unterrichtseinheit besteht aus vier Hauptaufgaben:

 

- Wortschatz erarbeiten: positive und negative Charaktereigenschaften beschreiben

- eine Kontaktanzeige für einen einsamen Menschen schreiben  Einen Antwortbrief verfassen 

- ein Telefonat üben


Ich habe diese Art von Rollenspielen immer und immer wieder in meinen Kursen durchgeführt und gemerkt, wie gern sich die Lerner den entsprechenden Wortschatz erarbeiten, um einen Partner die Person suchen, der sie helfen sollen. 


Vom Teenager bis zum Rentner - jeder liebt diese Stunden, in denen herzlich gelacht und geträumt, gesponnen und gequatscht wird.


Der Unterrichtsentwurf funktioniert an Schulen und in Erwachsenenkursen gleichermaßen und ich wünsche Dir und Deinen Lernern viel Freude damit!


Ich freue mich über Euer Feedback und bin mir sicher, dass auch Eure Schüler unheimlich Spaß damit haben werden.  


Du findest die komplette Unterrichtseinheit mit vielen schönen Arbeitsblättern und tollem Bildmaterial in meinem Shop!


Viele Grüße,


Cindy